Volker Oelschläger/Potsdam 

"Das Geheimnis des Augenblicks" 

Studien über das „Stillehalten“ von Susanne Ramolla im TAZ-Container auf dem Schirrhof

30.8.2013 

 

Wem die ätherisch zerfließenden Engelsfiguren von Susanne Ramolla in der Ausstellung „Made in Potsdam“ zum Jahresanfang im Kunstraum des Waschhauses zugesagt haben, der wird in ihrer neuen Ausstellung „Stillehalten“ im TAZ-Container auf dem Schirrhof wohl auf seine Kosten kommen. Der Boden des schattigen Blechbehälters ist bedeckt mit einer dicken Schicht von schallschluckendem, intensiv nach Wald duftendem Rindenmulch. Die dunkelrötlichen Wände sind besetzt mit unterschiedlich großen, kreisrunden Kunststoffplatten, die jede für sich eine im Augenblick erstarrte Bewegung bannt. Seit einem halben Jahr experimentiert die Künstlerin mit einer Darstellungsform, mit der die zeitlupenhafte Verzögerung von Bewegungsabläufen radikal zum Stillstand gebracht wird, ohne dass dabei die Energie des Ereignisses verloren geht. Ramollas Motiv sind Sportler in unterschiedlichsten Positionen und Situationen, denen sie alles nimmt, was auf Eigenarten, Zeit und Umgebung schließen lassen könnte. 

Der weiße Hintergrund der Bilder ist so tonlos wie der Rindenmulch, Gesichter und Körper sind bis zur Unkenntlichkeit verwischt, gerinnen zu der einen Geste, auf die es ankommen soll. Ein Körper mit wehendem Schopf mitten im Diskuswurf, angezogene Beinen kurz vor der Landung im Sand, ein Boxer, die Rechte nach vorn, die Linke am Körper, ein Überschlag, ein gewaltiger Sprung. All die für den Augenblick fixierten Gestalten scheinen, als könnten sie sich jederzeit in Bewegung setzen, um das zu vollenden, was sie gerade tun. Ebenso wie die runden Scheiben an der Wand mit der Erwartung spielen, dass sie sich auf ein Zeichen hin Schallplatten gleich drehen könnten. Das Spiel mit den Sehgewohnheiten des Publikums setzt sich fort bei einer Bildabfolge mit einer Gestalt, die einer anderen zum Huckepacksitz auf die Schultern springt. Ein Karateka stößt mitten im Flug den Fuß in den Raum, Hände recken sich einem unsichtbaren Ball entgegen, ein siegreicher Kämpfer hebt die Hände zum Triumph. Dann kehrt plötzlich Stille ein. Ein Körper zerstiebt in einer roten Wolke, ein Kopf mit Gesicht und einer hoch aufragenden Haarpyramide schaut aus einem Sandberg neugierig ins Leere. Unheimlich wird es bei einem Knienden mit nach vorn gebeugtem, unkenntlichem Kopf, bei einer Gestalt, die mit dem Kopf in ähnlicher Position zu hängen scheint. Die Arbeiten sind atmosphärisch dicht mit hypnotischer Kraft. Bei Wärme schnarrt im dunklen Container ein Ventilator, während draußen die Sonne scheint. Nach den Sportlern will Susanne Ramolla in einem zweiten Zyklus „Stillehalten“ Motive aus der Arbeitswelt bannen.